Die Praxisgebühr im Überblick

Seit der Einführung der Praxisgebühr im Jahre 2004 wurde ihr Sinn immer wieder in Frage gestellt. Sie galt als Einstieg in die Zweiklassen-Medizin. Es wurde davon gesprochen, dass einkommensschwache Versicherte den Arztbesuch aufschieben würden, bis sich die Erkrankung verfestigt hat.

So würde sich die erhoffte Einsparung für die Krankenkassen ins Gegenteil verkehren, weil dann höher wirksame und kostenintensivere Medikamente nötig wären. Ein passendes Beispiel dafür wäre eine Erkältung.

Unbehandelt könnte sie sich zur Bronchitis oder Lungenentzündung auswachsen, bei der dann ein teures Antibiotikum nötig wäre.

Was ist die Praxisgebühr und wofür war sie gedacht?

Die Praxisgebühr ist eine Zuzahlung beim ersten Besuch der Arztpraxis im Quartal.

Sie beträgt gegenwärtig 10 Euro und muss beim Hausarzt bezahlt werden. Dieser stellt dann Überweisungen zu den Fachärzten aus, bei denen dann keine weitere Gebühr fällig wird. Aber auch beim Zahnarzt muss die Praxisgebühr bezahlt werden, wenn eine Behandlung vorgenommen wurde. Bei Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen entfällt die Praxisgebühr. So soll das Gesundheitsbewusstsein der Versicherten geweckt werden. Allerdings ist die Bezeichnung Praxisgebühr irreführend, da sie eigentlich eine Krankenkassengebühr ist. Viele Ärzte haben sich im Vorfeld gegen die Einführung einer Praxisgebühr gewehrt, weil sie noch mehr Arbeit und Bürokratie für das Personal der Arztpraxis bedeutet.

Mit der Einführung der Praxisgebühr sollte eine Reduzierung der Arztbesuche erreicht werden. Da Deutschland mit 18 Praxisbesuchen die meisten Arzt-Patienten-Kontakte in Europa hat, scheint dies auch dringend notwendig zu sein. Bei einer oberflächlichen Betrachtung scheinen 18 Arztbesuche tatsächlich eine hohe Zahl zu sein. Aber wenn man bedenkt, dass wir immer älter werden und es viele chronisch Kranke gibt, relativiert sich die Zahl doch ein wenig.

Manche Patienten müssen einfach monatlich zum Hausarzt, weil ihre Medikamente selbst mit der größten Packungsgröße nur einen Monat reichen. Dies ist der Fall, wenn sie davon 3 x 1 Tablette nehmen müssen. Damit kommen schon 12 Arztbesuche im Jahr zusammen. Sind dann noch ein oder zwei Facharztbesuche zur Verschreibung von Dauermedikamenten pro Quartal nötig, weil der Hausarzt sein Budget nicht überschreiten will, sind rasch 18 Kontakte erreicht.

Aktuell: 5 € Praxisgebühr pro Besuch?

Hat die Praxisgebühr ihren Sinn erfüllt?

Ende letzten Jahres wurde von einigen Krankenkassen vorgeschlagen die Praxisgebühr zu verändern und bei jedem Arztbesuch einen Obolus in einer bestimmten Höhe zu verlangen. Damit ist klar, dass sie ihren Sinn nicht erfüllt hat. Die Versicherten gehen nach der Entrichtung nicht seltener sondern öfter zum Arzt. Das Motto: Wir haben ja bezahlt.
Mit einer Entrichtung der Praxisgebühr erst beim zweiten Praxisbesuch könnte man wirklich Kosten sparen.